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„Segel setzen für den Meeresschutz“ | 17-06-2026

FOTO: Hufenbach


Alle versammelt auf dem Gruppenbild in Emden :) | foto.hufenbach

17-06-2026 | Gemeinsame Pressemitteilung des Netzwerk Energiedrehscheibe und der Zukunftswerkstatt Wilhelmshaven

Malizia Explorer besucht Wilhelmshaven

Die Nordsee gerät immer stärker unter Druck: Neue Gasbohrungen vor Borkum, LNG-Terminals an der Küste, Ölförderung mitten im Wattenmeer und zerstörerische Grundschleppnetzfischerei zeigen, wie Schutzgebiete trotz Klima- und Artenkrise weiter industriell genutzt werden. Besonders das Wattenmeer – UNESCO-Weltnaturerbe, Nationalpark und Lebensraum für Schweinswale, Seehunde, Kegelrobben, Seevögel und Fische – steht exemplarisch für diesen Widerspruch.

Mit der Tour „Segel setzen für den Meeresschutz“ macht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vom 15. bis 17. Juni gemeinsam mit Luisa Neubauer, Nathan Goldblat, Jonas Ems, Sarah Kraemer sowie Meeresschutz- und Energieexpert*innen auf diese Entwicklung aufmerksam. An Bord der Malizia Explorer führte die Route entlang zentraler Brennpunkte fossiler Infrastruktur und industrieller Übernutzung in der deutschen Nordsee.

In Berlin stehen in den kommenden Wochen wichtige Entscheidungen für den Schutz der Nordsee an:

1. Neue Gasbohrungen vor Borkum

Das geplante Unitarisierungsabkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden würde neue Gasförderung im Grenzgebiet vor Borkum erleichtern. Aus Sicht der DUH droht damit der Einstieg in einen größeren fossilen Gasförderkomplex in unmittelbarer Nähe zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer und zu Natura-2000-Gebieten.

2. Meeresschutzgesetz mit Schlupflöchern

Das geplante Gesetz zum Schutz von Meeresschutzgebieten vor Öl- und Gasbohrungen geht in die richtige Richtung, muss aber nachgeschärft werden. Das Schlupfloch der naturschutzrechtlichen Befreiungen, mit denen fossile Projekte in oder unter Schutzgebieten weiter ermöglicht werden, muss endgültig geschlossen werden.

Die Botschaft der Tour


Die Malizia Explorer in Emden :) | foto.hufenbach

Die Nordsee darf nicht weiter zur Industriezone für fossile Projekte und zerstörerische Nutzung gemacht werden. Klima- und Meeresschutz müssen Vorrang haben – besonders in Schutzgebieten.

Das Netzwerk Energiedrehscheibe und die Zukunftswerkstatt Wilhelmshaven besuchten am 15. Juni 2026 die Malizia Explorer in Emden vor ihrer Abfahrt, um sich ein Bild von der geplanten Tour und den Beteilgten zu machen.


v.l.n.r. Luisa Neubauer (Fridays For Future), Josefin Schmidt (Deutsche Umwelthilfe) und Sandra Koch (Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland e.V. :) | fotos.hufenbach

Beim Besuch in Emden wurden Kontakte geknüpft und Interviews mt Luisa Neubauer (Fridays For Future), Josefin Schmidt (Deutsche Umwelthilfe) und Sandra Koch (Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland e.V.) geführt.

Die vier Brennpunkte der Route

Die Route steht beispielhaft für den wachsenden Nutzungsdruck auf die Nordsee: von den geplanten Gasbohrungen vor Borkum über LNG-Infrastruktur in Wilhelmshaven bis zur Ölförderung Mittelplate im Wattenmeer und dem LNG-Standort Brunsbüttel.

Stefanie Eilers (Netzwerk Energiedrehscheibe):

Das Netzwerk Energiedrehscheibe spricht sich deshalb klar dafür aus, die Energieversorgung in Bürger*innenhand zu legen und dezentrale Netze konsequent zu stärken. Statt fossile Geschäftsmodelle weiter abzusichern, braucht es eine demokratische, regionale und erneuerbare Energiewende, die Wertschöpfung vor Ort schafft und die Resilienz der Versorgung erhöht. Gerade für Wilhelmshaven und die Küstenregion ist es entscheidend, nicht auf überholte fossile Großstrukturen zu setzen, sondern auf eine echte Energiedrehscheibe der Zukunft.

Wolf-Dietrich Hufenbach (Zukunftswerkstatt Wilhelmshaven):

Auch der Fokus auf Wasserstoffimporte überzeugt angesichts der Marktlage nicht. Die verfügbaren Informationen zu den Wilhelmshavener Wasserstoffplänen zeigen zwar ambitionierte Importvolumina, zugleich wird aber deutlich, dass der Hochlauf auf große Importmengen und internationale Lieferketten setzt. Vor diesem Hintergrund erscheint es fragwürdig, fossile Infrastruktur durch neue Importabhängigkeiten zu ersetzen, statt die regionale Erzeugung, Einsparung und dezentrale Nutzung erneuerbarer Energien konsequent voranzubringen.

Die Einschätzung von Hans-Josef Fell, der in den USA den renommierten Bhaumik-Forschungspreis erhält, dass sich ein solcher Kurs für Wilhelmshaven als Irrweg erweisen werde, unterstreicht aus unserer Sicht die Notwendigkeit eines Kurswechsels hin zu einer dezentralen, erneuerbaren und bürgernahen Energieversorgung.

Wilhelmshaven kann Zukunftsort werden — aber nur mit erneuerbaren Energien, klugen Netzen und echter regionaler Beteiligung.

Stefanie Eilers und Wolf-Dietrich Hufenbach bedanken sich bei Luisa Neubauer, der Deutschen Umwelthilfe und allen Beteiligten der Tour „Segel setzen für den Meeresschutz“ für deren Besuch in Wilhelmshaven und den wichtigen Austausch vor Ort.

Der Besuch hat erneut deutlich gemacht, wie eng Klimaschutz, Meeresschutz und die Zukunft der regionalen Energieversorgung miteinander verbunden sind.



Links



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