Demokratie und besonders deren Weiterentwicklung muss auch für die Bürger:innen transparent sein :( | foto.hufenbach
17-01-2026 | Pressemitteilung| Finanzwende
Dauerbeschallung in Überzahl
Im politischen Berlin herrscht ein massives Ungleichgewicht zwischen der Finanzlobby und zivilgesellschaftlichen Interessenvertretern. Das ist ein zentrales Ergebnis der am Montag veröffentlichten Finanzlobby-Analyse 2026 der Bürgerbewegung Finanzwende. Die jährlich erscheinende Studie analysiert mit Hilfe des Lobbyregisters des Deutschen Bundestags, wie die wichtigsten Interessenvertreter von Banken, Versicherungen und Co. arbeiten.„Der Finanzlobby gelingt es noch immer viel zu oft, ihre Profitinteressen durchzusetzen – ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Verluste”, sagte Finanzwende-Vorstand Daniel Mittler. Die aktuelle Finanzlobby-Analyse gebe aber auch Anlass zur Hoffnung. Denn nicht immer hat die Finanzlobby mit ihren Kampagnen Erfolg. „Offensichtlich beginnen Abgeordnete und Regierende zu spüren, dass Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass sie der Finanzlobby nicht alles durchgehen lassen. Das Ungleichgewicht zwischen Finanzlobby und Zivilgesellschaft bleibt aber eklatant.”
Laut der Studie beschäftigen allein die zehn größten Konzerne und Verbände der Finanzlobby insgesamt 456 Lobbyist*innen – auf jedes Mitglied des Finanzausschusses im Bundestag kommen damit 10 Interessenvertreter*innen der Finanzlobby.„Lobbyismus an sich ist nicht anrüchig, das Problem ist die Dauerbeschallung in Überzahl”, kommentiert Daniel Mittler die Studienergebnisse. Das Problem sei die Unverhältnismäßigkeit der Mittel. „Wenn die Zivilgesellschaft in einer Diskussion kaum Gehör findet, weil die Gegenseite alle Kanäle mit Anrufen, Stellungnahmen und oft zweifelhaften Studien flutet, dann ist das irgendwann keine faire Debatte mehr. Das Ungleichgewicht von Finanzlobby und Bürgerinnen und Bürgern gefährdet das Vertrauen in die Demokratie.”
Wie Lobbykampagnen verlaufen, zeigt die Studie anhand von Fallbeispielen. Eins davon ist der Kampf gegen die Wartefrist bei der Restschuldversicherung, bei dem sich die Finanzlobby bisher nicht durchsetzen konnte. Erfolgreicher war sie dagegen bei der Demontage von Schutzstandards für Mensch und Umwelt bei der EU-Lieferkettenrichtlinie – ein Vorgang, bei dem sogar die Europäischen Bürgerbeauftragte den lobbygetriebenen Prozess kritisiert hat.Immerhin:
Das Lobbyregister des Deutschen Bundestags macht es möglich, immer genauer zu erfahren, wie die Finanzlobby agiert. „Transparenz allein macht Gesetzgebung noch nicht fairer und besser – aber es schafft die Grundlage für eine Veränderung der Schieflage zwischen Finanzlobby, Zivilgesellschaft und Politik”, sagt Finanzwende-Vorstand Daniel Mittler. „Das Lobbyregister ist deshalb ein echter Fortschritt und kann Vertrauen in die Demokratie stärken.”
Zur weiteren Verbesserung des Lobbyregisters fordert Finanzwende eine Erhöhung der Bußgelder für Verletzungen von Registrierungspflichten und eine Offenlegungspflicht für Treffen von Minister*innen und ihren leitenden Angestellten mit Lobbyist*innen.Über Finanzwende
Finanzwende ist ein überparteilicher Verein mit mehr als 18.000 Mitgliedern. Die unabhängige Interessenvertretung von und für Bürgerinnen und Bürger wurde im Jahr 2018 anlässlich des zehnten Jahrestages der Lehman-Brothers-Pleite gegründet. Als Gegengewicht zur Finanzlobby drängt sie auf stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte. Durch Kampagnen und kritische Recherchen kämpft sie für ein gemeinsames Ziel: die Finanzwende – damit die Finanzwirtschaft den Menschen dient.Die vollständige Studie finden Sie hier:
-ex> https://www.finanzwende.de/themen/finanzlobbyismus/lobbyregister-auswertungen/finanzlobby-analyse-2026-ex> Finanzwende: Wer wir sind: Das Gegengewicht zur Finanzlobby – für faire, stabile und nachhaltige Finanzmärkte
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