Auch in der Landwirtschaft braucht es einen grundlegenden Wandel :) | foto.hufenbach
20-08-2026 | Pressemitteilung | NABU
Grundlegender Umbau der EU-Agrarpolitik zugunsten von Öko-Honorierung längst überfällig / Eine GAP, die das ignoriert, gefährdet ihren Fortbestand
Die Sicherung der Ernährung in Deutschland und Europa ist ein zentrales politisches Ziel. Die Agrarsubventionen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) tragen dazu jedoch weit weniger bei, als häufig behauptet wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des NABU auf Grundlage des agrarökonomischen Modells CAPRI. Demnach würden selbst bei einem vollständigen Wegfall der GAP-Zahlungen die landwirtschaftlichen Produktionsmengen und Selbstversorgungsgrade kaum sinken.„Wir müssen die Debatte über die Zukunft der Agrarpolitik ehrlich führen“, sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Unsere Studie zeigt klar: Die Ernährung der Menschen in Deutschland und Europa ist auch ohne pauschale Flächenprämien gesichert. Wer die Direktzahlungen mit Ernährungssicherheit begründet, greift zu kurz. Die eigentliche Frage lautet: Wie setzen wir knappe öffentliche Mittel so ein, dass Landwirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen profitieren? Hier sagen wir ganz klar: Landwirt*innen brauchen eine verlässliche Unterstützung – für den Schutz von Klima, Natur und Wasser ebenso wie für die Anpassung ihrer Betriebe an die Folgen des Klimawandels. Genau diese Leistungen müssen künftig gezielt honoriert werden.“
Für die Studie wurde mithilfe des europaweit etablierten Modells CAPRI simuliert, wie sich verschiedene Reformen der GAP ab 2028 auf Produktion, Selbstversorgung und Flächennutzung auswirken. Analysiert wurden sowohl ein vollständiger Wegfall der GAP-Zahlungen als auch die Abschaffung der Basisprämie.Die Ergebnisse fallen eindeutig aus:
Im Pflanzenbau gehen die Produktionsmengen in Deutschland je nach Szenario lediglich um bis zu 2,8 Prozent zurück. Die Milchproduktion bleibt nahezu unverändert, die Fleischerzeugung sinkt um maximal 0,75 Prozent. Beim wichtigsten Brotgetreide Weizen würde der Selbstversorgungsgrad in Deutschland von rund 134 auf etwa 129 Prozent zurückgehen – und damit weiterhin deutlich über dem Eigenbedarf liegen. Auch auf EU-Ebene bleibt die Versorgung mit Getreide, Fleisch sowie Obst und Gemüse gesichert.Ein weiterer Befund der Studie:
Die heutigen Direktzahlungen wirken sich deutlich stärker auf Boden- und Pachtpreise aus als auf die landwirtschaftliche Produktion. Da rund 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland gepachtet sind, profitieren von den pauschalen Flächenprämien eher die Flächeneigentümer*innen als die wirtschaftenden Betriebe. Anders stellt sich die Situation beim Dauergrünland dar. Rund 20 Prozent dieser Flächen tragen kaum zur Ernährungssicherung bei und würden ohne gezielte Förderung voraussichtlich aus der Nutzung fallen. Gleichzeitig handelt es sich häufig um besonders wertvolle Lebensräume für Artenvielfalt, Klima- und Gewässerschutz. Werden die bisherigen Mittel statt für Direktzahlungen gezielt für Agrarumweltmaßnahmen und Grünlandprogramme eingesetzt, können diese Flächen so erhalten werden, dass für Natur und Klima echte Mehrwerte entstehen – und Landwirt*innen daran verdienen.„Die Zukunft der GAP liegt nicht in pauschalen Flächenprämien, sondern in der Honorierung gesellschaftlicher Leistungen der Landwirtschaft – sonst gehen sehr bald die Argumente aus, öffentliche Gelder weiterhin in der Landwirtschaft zu investieren“, so Krüger. „Genau diesen Weg hat die Zukunftskommission Landwirtschaft bereits empfohlen. Unsere Studie macht einmal mehr deutlich: Es ist Zeit, die Direktzahlungen in der kommenden Förderperiode schrittweise auslaufen zu lassen und die Mittel vollständig für Natur-, Klima- und Gewässerschutz einzusetzen. Davon profitieren Landwirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen.“
Der NABU fordert deshalb, die Gemeinsame Agrarpolitik für die Förderperiode 2028–2034 grundlegend neu auszurichten. Damit die GAP auch künftig finanziell stark ausgestattet bleibt, müssen die Mittel vollständig in Honorierungszahlungen für gesellschaftlich gewünschte Leistungen der Landwirtschaft überführt werden. So könnten Natur- und Klimaschutz gestärkt, landwirtschaftliche Betriebe gezielt unterstützt und öffentliche Mittel wirksamer eingesetzt werden.Links
-ex> Zur vollständigen Studie geht es hier-ex> Weitere Informationen zur Studie
<- Bauernverband - Erntebilanz 2026 | 18-08-2026
<- LANDWIRTSCHAFT | Thema
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